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INTERVIEWS


Zum ersten Mal hat sich ein Verlag vorgenommen, das gesamte Werk Nietzsches aus dem Original in die arabische Sprache zu übersetzen. Durch den Konflikt zwischen der Arabischen und Westlichen Welt, der unsere globale Situation derzeit entscheidend mitbestimmt, stellt dieser Akt der Über-setzung nicht nur ein literarisches, sondern eben so sehr ein kulturgeschichtliches Ereignis dar. Denn inmitten dieser prekären Lage erhebt sich die Frage, wie die arabische Kultur auf das Werk eines Philosophen und Dichters reagieren wird, der die Figur “Zarathustra” literarisch neu auferstehen ließ, um die moralische Weltsicht zu dekonstruieren, die Zoroaster einst, vor tausenden von Jahren, selbst einmal eingerichtet hatte?

Eine bearbeitete Videoversion dieses Interviews wird von Susanne Granzer, Schauspielerin, und Arno Böhler, Philosoph, im Juni 2007 in einer Lecture-Performance im KosmosTheater Wien “on stage” aufgeführt werden. In der Lecture-Performance wird der Frage nachgegangen, welche “Hits” die Leser von Nietzsches Texten erwarten, sobald sie mit seinen Schriften in Berührung kommen, von ihnen also persönlich angerührt werden. (Read more: http://www.univie.ac.at/performanz/pos2)

Seit 2001 werden Nietzsches Werke von dem Kölner Kamel Verlag ins Arabische übersetzt. Arno Böhler & Susanne Granzer (GRENZ-film Vienna) haben am 28.10.2006 mit Ali Mosbah, dem Übersetzer von Nietzsches Werken, in Berlin ein Interview geführt, um sich über den Verlauf des Editionsprojekts zu informieren.




Nietzsche in Arabic: An interview with translator Ali Mosbah

An Interview Conducted by Susanne Granzer and Arno Böhler


Arno Böhler: Herzlichen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, uns, im Rahmen des Nietzsche-Circles New York, ein Interview zu geben. Sie haben 2002 zum ersten Mal Nietzsches Schrift Ecce Homo ins Arabische übersetzt. Seit 2003 arbeiten Sie daran, seinen „Zarathustra“ zu übersetzen. Zum ersten Mal wird dieser Text damit aus dem Deutschen und nicht aus dem Französischen ins Arabische übertragen. Wie sind Sie überhaupt zu diesem monströs anmutenden Editionsprojekt gekommen?

Ali Mosbah: Ich komme aus Tunesien, spreche Arabisch und habe in Frankreich studiert. Nietzsches Texte habe ich daher zuerst in französischen und arabischen Übersetzungen kennen gelernt. Vor ca. 15 Jahren waren meine Kenntnisse der deutschen Sprache dann so weit, dass ich Nietzsche auch original, in Deutsch, lesen konnte und mir wurde klar, dass die Übersetzungen, die ich davor gelesen hatte, problematisch waren. In arabischer Sprache lag bis dahin nur ein einziges Werk von Nietzsche vor, nämlich Also sprach Zarathustra. Und die arabische Übersetzung war einfach schlecht. Ich würde sogar sagen, sie war katastrophal. Sie stammte übrigens nicht aus dem Deutschen, sondern aus dem Französischen. Und so habe ich den Traum geboren, Nietzsche einmal selbst ins Arabische zu übersetzen. Aber die Idee war einfach zu verrückt, zu utopisch, um wahr zu sein.

Im Jahr 2000 kam dann ein kleines Büchlein von Peter Sloterdijk über Nietzsches fünftes Evangelium auf den Markt(1). Nachdem ich das Buch gelesen hatte, hatte ich sofort Lust, es zu übersetzen. Und das habe ich dann auch getan. Sloterdijks Text hat mir irgendwie die Angst genommen, meinem Traum näher zu kommen, Nietzsche ins Arabische zu übersetzen. Nicht, dass ich heute angstfrei wäre, wenn ich Nietzsche übersetze. Wahrlich nicht! Jede Nietzscheübersetzung ist ein Wagnis; ein Experiment, ein Risiko.

Mit Khalid Al-Maaly, dem Verleger des Kamel Verlags, stand ich damals schon in Kontakt. Er war es, der vor über 20 Jahren in Köln mit der Herausgabe deutscher und französischer Literatur in arabischer Sprache begonnen hatte. Als ich ihm davon erzählte, dass ich Sloterdijks Nietzsche-Text übersetze, hat er sich darüber sehr gefreut.

Schließlich hat er mich explizit darauf hin angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, einen Text von Nietzsche selbst aus dem Deutschen ins Arabische zu übersetzen. Da wusste ich, dass es an der Zeit war, mir meinen alten Traum zu erfüllen. Und so habe ich mich 2002 daran gemacht, Ecce Homo zu übersetzen.

Obwohl es vorerst nur um die Übersetzung eines Textes ging, wussten wir beide stillschweigend, dass es nicht bei der Übersetzung dieser einen Schrift bleiben würde. Implizit war uns von Anfang an klar, dass wir das gesamte Werk von Nietzsche übersetzen wollten, auch wenn wir über die Größe des Projekts erschrocken waren. Daher haben wir uns vorerst nur dazu verpflichtet, ein Buch nach dem anderen zu übersetzen und im Kamel Verlag herauszubringen.

Noch wissen wir nicht, wie weit wir dieses Vorhaben realisieren können. Wer weiß das schon? Vorerst konzentriere ich mich daher erst einmal auf das Buch, das ich derzeit gerade übersetze, Also sprach Zarathustra.

Susanne Granzer: Ihre Übersetzung von Also sprach Zarathustra soll in Kürze abgeschlossen sein?

Ali Mosbah: Ja, das ist richtig. Inzwischen arbeite ich seit 4 Jahren an dieser Übersetzung. Als ich Ende 2002 die Arbeit an Ecce Homo beendet hatte, hat mich die Schönheit von Nietzsches „Nachtlied“ dazu verführt, sofort mit der Übersetzung des „Zarathustra“ ins Arabische zu beginnen. Wenn alles gut läuft, dann werde ich noch 2006 mit der Übersetzung fertig werden. Hoffentlich richtig fertig! – (lacht). Richtig fertig heißt eben, ein druckreifes Manuskript in der Hand zu haben.

Susanne Granzer: Was macht der Akt des ständigen Über-setzens von der deutschen in die arabische Sprache eigentlich mit Ihnen selbst – und Ihrem Leben hier in Berlin?

Ali Mosbah: Es ist ein alltägliches Pendeln zwischen zwei Ufern. Ein Hin und Her. An manchen Tagen verschließt sich mir alles, weil ich keinen Zugang zu Nietzsches Texten finde, oder weil sich mir das entsprechende Wort für die Über-Setzung in die arabische Sprache versagt. Ich sitze dann ohnmächtig und hilflos in meiner Wohnung herum. Möchte herumrennen – wofür die Wohnung leider zu klein ist – oder ich gehe hinaus, um einen langen Spaziergang zu machen, der mir helfen soll, den Frust abzubauen, bei einem Satz einen ganzen Tag stecken geblieben zu sein. Dann heißt es, Geduld zu bewahren. Morgen ist auch noch ein Tag. Solche Erfahrungen sind wirklich frustrierend und schmerzlich…

Aber es gibt natürlich auch jene Tage – besonders jetzt, wo ich Nietzsches „Zarathustra“ übersetze – in denen ich belohnt werde. In denen ich glücklich, wirklich überglücklich bin. Beschenkt werde von der berauschenden Schönheit seiner Sprache…

Susanne Granzer: …weil die Sprache zu sprechen beginnt?

Ali Mosbah: Ja. Ein Wort, oder ein Satz, beginnt zu sprechen. In solchen Momenten wird viel Energie frei. Man bekommt viel zurück, ist glücklich, fühlt sich gut, weil im Akt des Über-setzens etwas passiert.

Arno Böhler: Haben Sie Erinnerungen an konkrete Stellen, wo es sehr mühsam war, das stimmige Wort im Arabischen zu finden?

Ali Mosbah: Viele! Leider sehr viele! (lächelt). Der Begriff „Übermensch“ macht mir zum Beispiel seit langem schwer zu schaffen. Das Problem liegt zunächst einmal darin, dass die arabische Sprache Wortzusammenfügungen wie „Über“ und „Mensch“ nicht zulässt. Was für die deutsche Sprache möglich ist, das Zusammenfügen mehrerer Wörter zu einer einzigen Wortfügung, das macht mich beim Über-setzen manchmal wahnsinnig, weil diese Möglichkeit in der arabischen Sprache nicht existiert und einfach nicht funktioniert.

Ein Beispiel. Nietzsches Begriff des „Über-Menschen“ wird in Französisch oft mit „l’homme supérieur“ wiedergegeben, was soviel wie “höherer Mensch“ bedeutet. Von der französischen Übersetzung inspiriert, finden wir dann auch in arabischen Nietzscheausgaben für das Wort „Übermensch“ die Formulierung „höherer Mensch“. Aber eine solche Übersetzung ist für mich nicht wirklich zulässig. Denn Nietzsche unterscheidet in seinen Texten selbst ausdrücklich zwischen den „höheren Menschen“ und dem, was er den „Übermenschen“ nennt. Die „höheren Menschen“ sind zwar von der Masse der Menschen her gesehen etwas Höheres, Selteneres, Nobleres als die mediokre Form des an die jeweils herrschenden Verhältnisse angepassten „Massenmenschen“ – dessen Zähigkeit er oft mit dem Erdfloh vergleicht –, aber die „höheren Menschen“ sind nicht das, was Nietzsche sucht, wenn er den „Übermenschen“ sucht. Dieser ist kein höherer Mensch, sondern ein Lebewesen, eine neue Lebens-Art, die über die Art und Gattung des bisherigen Menschseins hinausgeht. La condition humaine, wie man im Französischen sagt, die Gattung „Mensch“ soll im Kommen des „Übermenschen“ ja gerade überwunden werden. Der „Mensch“ – für Nietzsche in seiner historisch sichtbaren Gestalt ein durch und durch rachsüchtiges Wesen – ist gerade etwas, das überwunden werden soll. Daher kann ich den Terminus „Übermensch“ im Arabischen nicht einfach mit „höherer Mensch“ übersetzen und ich kann auch keine Wortzusammensetzung bilden, wie sie im Deutschen üblich ist.

Aus diesem Grund habe ich die letzten Monate viel telefoniert und viele Emails geschickt, um Übersetzungsvorschläge zu sammeln. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Susanne Granzer: Und wie übersetzen Sie das deutsche Wort „Gott“ ins Arabische?

Ali Mosbah: Mit „Allah“. Natürlich kommt es auf die Stelle und den Kontext an. Wenn „der Gott“ gemeint ist, heißt er arabisch „al-Rabb“ oder ‚al-Ilah’. Wenn einfach „Gott“ gemeint ist, heißt es arabisch „Allah“. „Allah“ ist nicht nur der Name für den Gott der Muslime, er ist der Gott aller. Da sich die Muslime als Fort- und Weiterführung einer kontinuierlichen Tradition der monotheistischen Offenbarungsreligionen verstehen – also als Form der fortschreitenden Offenbarung Gottes, die mit dem Judentum und Christentum begonnen hat und sich schließlich im Islam heilsgeschichtlich fortgesetzt hat –, bezieht sich das Wort „Allah“ auf den Gott aller drei monotheistischen Religionen. Viele hier im Westen glauben, dass „Allah“ den Gott des Islams meint. Aber als der all-einige Gott ist „Allah“ eben der Gott aller und nicht nur des Islams. Auch in der arabischen Übersetzung der Bibel, also in der arabischen Übersetzung des Neuen und Alten Testaments, steht für Gott „Allah“. Ich arbeite viel mit der arabischen Übersetzung der Bibel, da Nietzsches Schriften sehr viele Referenzen und Anspielungen auf die Bibel beinhalten. Oft, sogar öfter, übersetze ich Gott mit „Allah“, manchmal mit „Rabb“. Nietzsches Wort „Gott ist tot“ kann man zum Beispiel mit „Inna’ allaha qad Mat“ übersetzen.

Arno Böhler: Wie hat man im arabischen Raum auf den Satz „Gott ist tot“ reagiert?

Ali Mosbah: Natürliche haben gläubige Muslime mit diesem Satz ein Problem, da er als atheistische Aussage empfunden wird. Vor etwa zwei Jahren war ich zum Beispiel in Südmarokko zu einem Vortrag eingeladen. Nach meinem Vortrag hat sich jemand zu Wort gemeldet und gesagt. „Als ich Sie vor einer halben Stunde draußen gesehen habe, dachte ich, Sie seien ein guter Mensch. Und jetzt sehe ich, dass Sie gleich zwei Bücher von Nietzsche übersetzt haben. Gleichwohl Sie doch ganz genau wissen, dass Nietzsche die Menschen und die Schwachen verachtet hat,“ usw. usw. Alle Klischees über Nietzsche wurden vorgebracht. Auch der Satz „Gott ist tot“ ist gefallen.

Ich habe erwidert, dass Nietzsche im Christentum geboren und aufgewachsen sei. Dass er sogar Sohn eines christlichen Pfarrers gewesen sei und dass der Satz „Gott ist tot“ im christlichen Glauben seit jeher einen entscheidenden Topos dargestellt habe. Jesus Christus wurde gekreuzigt. Ich habe also darauf insistiert, dass man Nietzsches Aussage „Gott ist tot“ im – und aus dem Kontext des Christentums verstehen müsse.

Denke ich hingegen in meine eigene Jugendzeit zurück, als ich mit achtzehn zum ersten Mal Nietzsche gelesen und auf den Satz „Gott ist tot“ gestoßen bin, dann erinnere ich mich gut, dass gerade dieser Satz von mir, von uns, von einer ganzen Generation junger Menschen im arabischen Raum begeistert aufgenommen wurde. Für uns war das damals ein magischer Satz, ein magisches Wort, eine Art Befreiung von den „Geistern“ unserer Ahnen. Der Satz war für uns damals „Dynamit“, ein Kraftwort, genau das, was wir damals brauchten.

Arno Böhler: Stellt die Übersetzung und Herausgabe eines Werks, das den Satz „Gott ist tot“ beinhaltet, für den Übersetzer und Verleger solcher Werke nicht eine Gefährdung der eigenen Person dar?

Ali Mosbah: Ich glaube nicht, dass ich umgebracht werde, dass ich Opfer eines fundamentalistischen Attentats werde, nur weil ich Nietzsche ins Arabische übersetzt habe. Nein, das glaube ich nicht. Als ich in Tunesien noch als Lehrer und Journalist gearbeitet habe, da habe ich auch meine Meinung gesagt, ohne gleich ermordet worden zu sein. Natürlich hatte ich Probleme! So wie alle anderen auch, die sich nicht einfach angepasst haben. Wir alle hatten Probleme. Es ist zum Beispiel nicht einfach, in einem arabischen Land mit islamischer Tradition Atheist zu sein. Das ist wahrlich nicht einfach… Aber es ist auch hier in Deutschland nicht einfach, sich dem herrschenden System zu entziehen oder gar zu widersetzen. Trotzdem ist es nicht so, dass „unsere Köpfe zwei Zentimeter von dem Messer entfernt sind“ (lacht wieder).

Arno Böhler: Ich möchte trotzdem noch einmal rückfragen. Warum die Übersetzung Nietzsches ins Arabische? Warum gerade ihn und jetzt? Gibt es dafür nicht doch gute (globale) Gründe?

Ali Mosbah: Die Nützlichkeit, Nietzsche ins Arabische zu übersetzen, hat sicher etwas mit unserer derzeitigen historischen Situation zu tun. Einerseits mit unserer globalen Situation, andererseits mit der der 68-er Generation. Damit meine ich, dass wir, die 68-er und nach 68-er Generation, die 80-er Jahre als eine Übergangszeit empfunden haben. Wir waren alle in der linken Szene tätig. Die „Linke“ war die Antwort auf unsere Fragen. Und Marx hatte für uns die Antwort auf die Fragen des 20. Jahrhunderts. Doch in den 80-er Jahren begannen diese marxistischen Überzeugungen brüchig zu werden. Plötzlich entstand irgendwie eine große ideologische Leere. Dazu kam, dass durch Denker wie Deleuze, Lyotard, Foucault und Derrida in uns ein neues Interesse an Nietzsches geweckt wurde. Bei all den diesen Autoren handelt es sich übrigens um französische Denker, die auch in der arabischen Welt derzeit genau gelesen werden. Nietzsche sprang also allmählich in die entstandene Lücke, als wir uns eingestehen mussten, dass der Marxismus unsere Fragen nicht mehr beantworten konnte – sowohl die politischen, als auch die existentiellen und philosophischen Fragen. Marx genügte nicht mehr.

Viele haben damals begonnen, anderswo Antworten auf ihre Fragen zu suchen. Manche haben sich den Sufis, den islamischen Mystikern zugewandt. Auch ich habe damals die Mystiker wieder entdeckt. Und mit Ihnen wurden auch Nietzsches Texte für mich, für uns wieder relevant. Nicht als eine neue Ideologie, die den Marxismus einfach ersetzen sollte, sondern als Abenteuer einer neuen Art von Existenz und Denken, die uns Nietzsches Texte abverlangten. So begann er unsere Köpfe in den 80-er Jahren mit einem Hammerschlag neuerlich zu entfesseln und zu beleben. Ein neuer Sinn für Ästhetik, ein neues Bekenntnis zu einer Erkenntnis des Lebens, die im Dienste der Erfindung neuer, singulärer Lebensformen stand, schien uns nun die nobelste, vordringlichste Aufgabe zu sein. Jetzt ging es nicht mehr um Ideologie, auch nicht mehr um die Forderung und Realisation bestimmter (politischer) Zielvorgaben, sondern um das Erfinden neuer Lebensformen. Dieses Versprechen war es, das Nietzsches Texte für uns in unserer Post-marxistischen Nietzschephase so attraktiv gemacht hat. Mit dem Hammer zu philosophieren, das haben wir damals gebraucht und wir brauchen es heute mehr denn je.

Ich möchte an dieser Stelle feststellen, dass ich kein Nietzscheaner bin. Ich mag Nietzsche. Ich finde seine Philosophie eine der tiefsten überhaupt. Wer könnte sich der Ästhetik seiner Sprache denn schon gänzlich entziehen? Er ist ein großer Stilist. Es ist, als würde er die Deutsche Sprache in seinen Schriften auf eine noch nicht da gewesene Art und Weise neu zum Leben erwecken. Obwohl seine Texte durch und durch von Bildern, Metaphern, Tropen durchzogen sind, ist seine Sprache doch das Gegenteil einer „blumigen Sprache“. Sie ist überaus präzise und genau. Sie trifft einfach. Diese treffsichere Präzision seiner Sprache ist es, die seine Schriften für mich so faszinierend macht und mir das Gefühl gibt, in seinen Texten zuhause zu sein. Seine Sprache ist orientalisch. Er schreibt orientalisch. Ich würde sagen, Nietzsche ist Orientale. Die besten Deutschen waren Orientalen. Goethe war Orientale. Hölderlin auch. Und bei ihnen bin, bei ihnen fühle ich mich selbst zuhause.

Und ich bin heute tief davon überzeugt, dass Nietzsche die wichtigsten Antworten auf die Fragen des 21. Jahrhunderts für uns bereithält.

Arno Böhler: In Europa war das ja ähnlich. Nietzsche wurde nach dem 2. Weltkrieg in Frankreich wieder entdeckt. Nietzsche aus Frankreich lautet der Titel eines berühmten Sammelbands, den Werner Hamacher 1986 im Suhrkamp Verlag herausgegeben hat. Und der Sammelband Looking After Nietzsche, der 1990 von Laurence A. Rickels in New York publiziert wurde, war ebenfalls keine „Deutsche Initiative“. Dass die maßgebliche Studienausgabe von Nietzsches Werken von zwei Italienern initiiert und realisiert worden ist, von Corgio Colli und Mazzino Montinari, passt gut in dieses Bild. „Nietzsche aus der arabischen Welt“, wie würden Sie diesen „Nietzsche“ – im Sinne Derridas muss es bekanntlich ja mehr als einen Nietzsche geben – wie würden Sie das arabische Nietzschebild charakterisieren? Wer sind seine Leser/innen?

Ali Mosbah: Nietzsche ist in der arabischen Welt sehr beliebt und in vielen Kreisen auch sehr bekannt. – Natürlich nicht bei der Masse, aber bei Intellektuellen.

Soweit ich die Lage der Nietzscherezeption in der arabischen Welt übersehe, sind es weniger die Künstler/innen, die Nietzsche im arabischen Raum für sich entdeckt haben, sondern eher die akademische Welt an den Universitäten. Philosoph/innen, Soziolog/innen, vielleicht noch Literaten/innen. Für Künstler/innen war eher das vielschichtige Bild von Interesse, das uns Nietzsches „Zarathustra“ als literarische Figur liefert. Zarathustra heißt auf Arabisch „zaradescht.“ Allein der Klang des Wortes ist sehr schön. Zaradescht vermittelt das Bild – das Bildnis eines Mannes –, der gleichzeitig Narr, Weiser und Revolutionär ist. Der tropische Charakter seiner Sprache hat natürlich auch das Interesse vieler Kunst-und Literaturkritiker/innen geweckt. Nietzsches Text eignet sich einfach hervorragend für jegliche Art von Kunst-, Literatur- und Poesiekritik.

Dann gibt es natürlich auch noch eine Menge junger Studenten und Studentinnen an arabischen Universitäten, die links sind und Nietzsche lesen. Man sieht daran, dass es sich heute um eine „arabische Linke“ handelt, die völlig anders organisiert und ideologisch ausgerichtet ist als damals zu unserer Zeit.

Marx hat die Befreiung der Massen gefordert. Eine massenhafte Befreiung der Menschen und zwar mit Hilfe der Kategorie „Masse“. Diese Forderung hat sich im Ostblock, in der Sowjetunion, in China, in Kuba als fataler Irrtum herausgestellt, als eine üble Art von Diktatur/Totalitarismus.

Nietzsche hingegen appellierte ständig an die Selbständigkeit des Individuums. Er appelliert an die kreativen, schöpferischen Kräfte des Individuums. Deswegen habe ich gesagt, dass ich glaube, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert Nietzsches sein wird. In der Zeit postmoderner Globalisierung kämpfen wir heute vor allem für die Aufrechterhaltung unsere Identität als Individuum. Gegen ein verwaltetes Leben, für die Ermöglichung individueller Lebensformen. Und dazu hat Nietzsche einiges zu sagen! Während im 19./20 Jahrhundert die Unterdrückung und Ausbeutung des Proletariats, das heißt die Befreiung der Massen thematisch im Vordergrund stand, geht es heute meiner Ansicht vielmehr um die Thematisierung der Unterdrückung individueller Lebensformen.

Arno Böhler: Welche Stellung hat das Individuum innerhalb der arabischen Kultur?

Ali Mosbah: Wissen Sie, die Frage nach der Stellung des Individuums und der Individualität in der arabischen Welt ist unglaublich diffizil. Bei ihrer Beantwortung ist viel Heuchelei dabei. Zum Beispiel wird immer wieder behauptet – in einer Art Pauschalverallgemeinerung –, dass Europa nach der Überwindung des Kapitalismus das Reich des Individuums sein werde. Alle anderen Länder hingegen seien Orte eines kollektiven Bewusstseins. Kulturen der Masse, eines mehr oder weniger homogenen Kollektivs usw.

Ich bestreite diesen Mythos vehement. Im Unterschied zu Europa ist vielmehr die arabische Welt die Welt des Individuums par excellence. Wenn ich arabischer Raum sage, dann beziehe ich das auch auf den berberischen Raum in Nordafrika und auf die Tuareg. Das sind alles Menschen mit einer stark ausgeprägten Persönlichkeit und einer enormen Individualität. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Beduinen Wüstensöhne, dass sie Wüstenmenschen waren. Wüstenmenschen haben nie eine Autorität über sich akzeptiert. Zumindest solange, bis der Islam kam. Ihn haben sie schließlich akzeptiert. Also wurde im Laufe der Zeit auch in der arabischen Welt die Individualität durch religiöse und moralische Systeme immer mehr unterdrückt. Heute wird sie leider all zu oft nur noch heimlich gelebt. Untergründig, verdrängt, unterdrückt.

Diese „unheimliche“ Geschichte der Tabuisierung der eigenen Individualität hat Nietzsche am Altruismus, an religiösen und moralischen Formen der Selbstverleugnung, in seinen Texten vehement kritisiert. Religion, Moral – als Formen altruistischer Selbstlosigkeit – sind für ihn immer auch Formen der Selbstverleugnung des Individuums. Sie werden daher nur all zu schnell Komplizen eines gefährlichen politischen Konformismus.

Was wir heute in der arabischen Welt brauchen, ist aber ein neuer Nonkonformismus, wie es in vor-islamsicher Zeit noch Gang und Gebe war. Ein generelles Umdenken, eine Umwertung aller Werte, auch westlicher Werte und Denkweisen.

Das freie Heranwachsen großer Persönlichkeiten konnte freilich auch der Islam nicht völlig verhindern. Ja, er hat selbst immer wieder große Individualisten hervorgebracht. Poeten etwa

– Poeten sind immer Individualisten! Und es mag vielleicht viele überraschen, wenn ich als Beispiel die Sufis nenne; die mystische Richtung des Islams. Die Sufis waren immer Individualisten innerhalb der islamischen Welt. Die Mystiker sind für mich überhaupt die Individualisten par excellence. Und genau darum finde ich bei ihnen so viele Parallelen zu Nietzsche.

Als ich mich in meiner Enttäuschung über den real existierenden Marxismus zuerst den Sufis zugewandt hatte, da hallten ihre Schriften mit einem neuen, andersartigen Ton in meinen Ohren. Ich – und viele andere Intellektuelle auch – wir konnten den Anspruch der Individualität, der in ihren Schriften erklang, nicht mehr überhören. Ich meine die Selbständigkeit im Denken und die individuelle „Bemühung,“ eine Erkenntnis selbst zu erlangen. Als ich Nietzsche wieder entdeckt hatte, erkannte ich in ihm die Stimmen der Sufis sofort wieder, und zwar durch die Stimme Zarathustras. Nietzsches Zarathustra verwendete nahezu dieselben Begriffe und beschrieb nahezu dieselben Erfahrungen wie die islamischen Mystiker. – Dass man eine lebendige Erkenntnis vom Leben etwa nicht nur durch das Auswendiglernen dogmatischer Systeme und das Lesen von Büchern erlange, sondern vor allem durch die eigene Wachsamkeit gegenüber dem eigenen Leben. – Und die Entwicklung eigenständiger Lebensformen. Zum Beispiel eines eigenen Lebensstils. Sie lehrten genau das, was mir in Nietzsche Zarathustra begegnet war. – Erkenntnis als Ausdruck eines Lebensstils; als Ausdruck einer Lebensform; als Ausdruck von Geschmack! All das klang für meine Ohren nicht neu, sondern vertraut.

Übrigens. Das arabische Wort für „Geschmack“ lautet „Dhawq“ und meint soviel wie die Erfassung des Individuellen. In verblüffender Analogie zu Nietzsche haben sich zum Beispiel Mystiker wie Halladsch in ihren Texten gegen abstrakte Begriffe, pauschalierende Ideen, vor allem aber gegen die Idee eines geschlossenen Systems, das die Schriftgelehrten des Islams vertreten und verbreitet haben, ausgesprochen. Oder auch Rumi, ein großer mystischer Dichter aus der Türkei, der aus Anatolien kam, hat ähnliches gefordert. Oder Ibn-Arabi, ein großer Mystiker aus Andalusien. Sie alle wollten schon damals innerhalb des Islams mit einer reinen, buchstabengetreuen Auslegung des Islams nichts zu tun haben. Es wurden damals sogar Witze erfunden, in denen sich die Menschen über die konventionellen Interpretationen des Islams durch die Rechtsgelehrten lustig gemacht haben.

Arno Böhler: Waren die derzeitigen geopolitischen Verhältnisse für Sie Ausschlag gebend, sich gerade jetzt an die Übersetzungsarbeit von Nietzsches Werken zu machen?

Ali Mosbah: Um ehrlich zu sein, als ich mich dazu entschieden habe, Nietzsche ins Arabische zu über-setzen, habe ich mich nicht für die Frage der geopolitischen Situation interessiert, oder ob es in der arabischen Welt ein Bedürfnis gibt, Nietzsche zu lesen, oder ob es gar einen historischen Bedarf für Nietzsche gibt. Ich habe damals rein egoistisch nur an meinen eigenen Genuss am Übersetzen gedacht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Unterbewusst war die globale Situation, in der wir vor allem seit den Anschlägen von 9/11 leben, vermutlich aber von Anfang an ein entscheidendes Moment, dieses Mammut-Projekt tatsächlich in Angriff zu nehmen.

Arno Böhler: Gibt es in der arabischen Welt vergleichbare religionskritische Texte wie die von Nietzsche?

Ali Mosbah: Nein. Eine Systematische und radikale Religionskritik wie bei Nietzsche gab es nicht. Zwar gab es im 8./9. Jahrhundert scharfe Religionskritiker, aber ihre Kritik hat sich primär gegen bestimmte Formen der Religionsausübung, nicht so sehr gegen Gott selbst, gewendet. Es gab zwar auch anerkannte Atheisten, die viel gelesen wurden. Aber nicht so sehr, weil der Islam damals toleranter war als heute, sondern eher, weil er durch die Neugierde, Euphorie und Lust, die die arabische Gelehrtenwelt damals in Bezug auf die Auseinandersetzung mit der griechischen Philosophie entwickelt hatte, animiert war, sich auch mit atheistischen Philosophien auseinanderzusetzen.

Damals war jedoch eine völlig andere Situation, die nicht mit der unseren heute vergleichbar ist. Nietzsche war nur Ende des 19. Jahrhunderts möglich, und vielleicht auch nötig. Früher wäre er weder in Europa noch an irgendeinem anderen Ort möglich gewesen. Erst die wissenschaftlichen, philosophischen, religiösen und kulturellen Entwicklungen der Neuzeit haben ein Werk wie das seine möglich gemacht.

Den Namen eines scharfen Kritikers konventioneller Gelehrtensysteme habe ich an früher Stelle schon erwähnt. Den Sufi Halladsch, den ich gerne kurz als „Arabischen Zarathustra“ im Sinne Nietzsches bezeichne. Halladsch hat nicht nur gerne auf dem Marktplatz gepredigt, so wie Sokrates. Er hat seine Texte auch getanzt und seine Gebete tanzend auf den Straßen Bagdads rezitiert. Schlussendlich wurde er ermordet und als Ketzer und Herätiker gekreuzigt. Sein Leben, zumindest so wie es bezeugt ist, war offenbar eine einzige Provokation für die damals lebenden Schriftgelehrten.

Der Unterschied zu Nietzsche liegt aber vor allem darin, dass er selbst gläubig war. Seine Form des Gebets hat sich mehr gegen die Religion als gegen Gott gerichtet. Aber das ist für mich nicht so wichtig. Wichtiger ist für mich, dass sein Leben eine Art „Unzeitgemäße Betrachtung“ seiner Zeit und der in ihr ausgeübten religiösen Praxis dargestellt hat. Und das ist eine Figur von Religionskritik, die ich auch in Nietzsches Zarathustra wieder finde.

Im 10.Jahrhundert gab es auch einen berühmten Poeten aus Syrien. Er wurde Philosoph der Poeten und Poet der Philosophen genannt. Er hat seinen Zweifel am Glauben und an allen Religionen nicht versteckt und schließlich sogar eine Art „Divina Comedia“ verfasst, in der er sich über Himmel und Hölle lustig gemacht hat. Dieses Werk haben wir einst sogar in der Schule gelesen und kommentiert bekommen. Es wird heute immer noch gedruckt und verkauft. – vielleicht nicht in Saudi Arabien aber in anderen arabischen Ländern.

Arno Böhler: Ein guter arabischer Freund von mir, der in Frankreich und Marokko lebt, hat mir immer wieder davon erzählt, dass er zwei unvereinbare Welten bewohne, wenn er zwischen der Berichterstattung von CNN und Al Jazeera hin und her wechsle. Erleben Sie das auch so?

Ali Mosbah: Ich verweigere es bewusst, CNN oder Al Jazeera anzuschauen. Und ich weiß auch warum! Es sind zwei Seiten einer Medaille. Die beiden Kehrseiten einer großen Propagandaschlacht. Und die will ich überhaupt nicht sehen!

Arno Böhler: Träumen Sie mit Nietzsche noch ein bisschen den Traum, dass die Kunst die Kraft zur Veränderung von Gesellschaften besitzt? Zweite Frage: Nietzsches Texte können auch sehr reaktionär gelesen werden. Sehen Sie gegenwärtig eine Gefahr einer solchen reaktionären Instrumentalisierung von Nietzsches Texten im arabischen Raum?

Ali Mosbah: Ich glaube, wenn ich Nietzsche übersetze oder Nietzsche lese, habe ich erst mal als Poet reagiert. Poesie ist für mich immer auch ein Akt der Rettung. Aber keine Massen-Rettung, keine Rettung für die Gesellschaft im Ganzen und das Gesellschaftsganze, sondern eine Art „Seelenrettung“. Nietzsche lesen, ihn nachdenken, ihn übersetzen, ist meine Art von „Seelenrettung“ inmitten der Zwänge des Alltags, deren Macht immer monströser wird. Denn ich glaube, dass wir im Moment nicht auf einen Fortschritt und Zuwachs von Freiheit zugehen, sondern auf eine globale Rückentwicklung von Freiheit zusteuern. Mehr Freiheit, das ist, glaube ich, einfach eine Lüge. Das hat mit der Globalisierung und den neuen Medien zu tun, die unser Leben immer mehr beherrschen. Es gibt kein Außen der Technik mehr.

Darin sehe ich eine neue, schreckliche Form des Monotheismus auf uns zukommen, womit ich wieder bei Nietzsche und seiner Verehrung des antiken Olymp bin. Nietzsche liebte die Antike, er verachtete das Christentum als eine Form monotheistischer Religion, weil der Monotheismus für die Menschheit nach Nietzsche eine Katastrophe bedeutet hat. Dadurch, dass der Mensch durch die monotheistischen Religionen plötzlich unter der Macht eines einzigen, allmächtigen Gottes stand, hat der Mensch viel an Eigenständigkeit, an intimem Schutz und individueller Macht verloren. Es steht ihm nun niemand mehr bei, der ihn vor Gott selbst, vor dem Zorn Gottes in Schutz nehmen kann. Nun kann uns kein anderer Gott mehr vor dem Einen, allmächtigen Gott in Schutz nehmen.

Heute erleben wir im Anspruch Amerikas, die globale Weltmacht zu spielen, eine Renaissance monotheistischer Strukturen im Politischen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, die ich sozusagen als den zweiten Gott bezeichnen würde, sind alle Mächte der Weltmacht USA gegenüber irgendwie machtlos geworden. In diesem Kontext tauchen jetzt auch die uralten Muster der moralischen Dualität von Gut und Böse wieder auf. Der Kampf der Guten gegen die Bösen usw. Seit dem 1. Weltkrieg – und später im und nach dem 2. Weltkrieg – übt die Weltmacht USA die Rolle des Guten in der Welt aus. Sie glaubt, Gottes Hand in der Welt zu sein. Sogar ihre Kriege werden von Oben geführt. Alle entscheidenden Schlachten der Vereinigten Staaten wurden und werden mit Hilfe der Luftwaffe gemacht. Die Götter scheinen den Bodenkrieg zu meiden. Vielleicht ist ihnen der Boden, unsere Erde, zu niedrig, zu schmutzig, um ihn zu berühren.

Gerade darum kommt Nietzsche mit seinem Anspruch, den Monotheismus umzuwerten und umzustürzen, heute gerade richtig. Seine „post-moderne“ Forderung nach dem Brechen ideeller und realer Machtmonopole ist äußerst zeitgemäß, das heißt immer noch unzeitgemäß! Und genau an diesem Punkt trifft sich Nietzsche mit dem Anspruch der Kunst. Denn Kunst existiert nur im Plural, in den Künsten, in den Künstler/innen.(2) Der Anspruch der Künste ist immer singulär plural. Er ergeht jeweils an dich, an mich und damit je singulär an uns.

In diesem Sinne glaube ich auch nicht, dass ich mit dieser Nietzsche Übersetzung in 20 Jahren oder 30 Jahren die großartige Änderung in der arabischen Gesellschaft verursacht haben werde. Aber ich werde Einzelne bewegen können. Und wer weiß, irgendwo bleibt ja auch die kleine Hoffnung, die heimliche Hoffnung, dass dieses singuläre Bewegt- und Berührtwerden durch die Texte Nietzsches irgendetwas im Plural bewirken könnte...

Arno Böhler: Spielt Nietzsche für antisemitische Strömungen im arabischen Raum eine Rolle?

Ali Mosbah: Gott sei Dank wird Nietzsche nicht von allen gelesen. Er selbst hat seinen „Zarathustra“ ja mit dem Untertitel ausgestattet, „Ein Buch für Alle und Keinen“. Seine Texte bedürfen einer besonderen Sorgfalt des Lesens, um in ihrer Intention nicht völlig missverstanden zu werden. Durch die philosophischen Arbeiten von Foucault, Deleuze und Derrida in den letzten 25 Jahren sind wir in der Arabischen Welt gut dafür vorbereitet, Nietzsche in einem neuen Licht zu lesen und von gängigen Klischees und Schlagworten zu befreien. „Gott ist tot“. Solche Sätze sind schnell dahergesagt, aber es dauert, sie in ihrer historischen Dimension zu ermessen, sie wirklich zu denken. Dieselben Klischees wurden auch über Marx verbreitet. „Religion ist Opium fürs Volk.

“… Die Frage stellt sich mir also etwa so. Wie kann man Nietzsche als Befreier lesen und nicht als Reaktionär? Als Revolutionär und nicht als Reaktionär? Natürlich könnte Nietzsche auch als Reaktionär gelesen werden, so wie alle großen Texte instrumentalisiert werden können. Auch der Koran kann instrumentalisiert werden. Diese Möglichkeit besteht immer und für jeden Text. Texte lassen sich biegen und wenden. Nietzsche selbst war jede Ideologisierung seiner Texte völlig fremd. Er wollte sie nicht als Maxime, Leitfaden oder Gebrauchsanweisung politischer Interventionen benutzt wissen. Mit ihrer Hilfe sollte die Realität nicht beschrieben, verändert und verbessert werden, sondern sie sollten der Wahrheit dienen und nur der Wahrheit, im Sinne der „intellektuellen Redlichkeit,“ der sich seine Werke verpflichtet fühlten. Die politische Ideologisierung seiner Schriften hat bekanntlich seine Schwester für ihn besorgt. Und andere, die ihn politisch vereinnahmt haben. Ja selbst Thomas Mann hat ihn in einem berühmten Vortrag in den 50-er Jahren noch für den Nationalsozialismus und faschistische Ideen verantwortlich gemacht. Das finde ich jämmerlich. Sehr, sehr jämmerlich und sehr, sehr oberflächlich und platt. – Dass ein so großer Intellektueller Nietzsche so verkannt hat, das hat mir einfach weh getan.

Was die Arabische Welt betrifft. Die Arabische Welt ist im Moment natürlich sehr empfindlich. Wir erleben genau die Situation, die Nietzsche so heftig kritisiert hat: eine Situation, die vom Geist der Rache diktiert wird: Wut, Ohnmacht, Frust, Ressentiment, Hang zur Destruktion, ein Hang zur Zerstörung. Das Rachegefühl beginnt den Globus zu bestimmen.

Jede Nation, jeder Mensch, der sich erniedrigt fühlt, der sich vernachlässigt und systematisch ausgeschlossen fühlt, entwickelt dieses Gefühl der Rache. Auch 1918 war es so in Deutschland. Die Nationalsozialisten haben aus der Demütigung Deutschlands nach dem 1. Weltkrieg Kapital geschlagen und das herrschende Ressentiment für politische Zwecke instrumentalisiert und benutzt. Schon damals war es ein Fehler der Alliierten, ihren Sieg nicht konstruktiv genutzt zu haben, sondern negativ gegen die Deutschen gewendet zu haben, um sie zu erniedrigen und zu demütigen. Keiner hat damals damit gerechnet, dass sich Deutschland so schnell erholen und aus der Demütigung des 1. Weltkriegs den Horror des Nationalsozialismus entwickeln würde.

Auch heute ist diese Politik der Demütigung wieder ein Fehler. Die Arroganz, die George W. Bush, Tony Blair und andere Tag für Tag an den Tag legen, ist einfach destruktiv. Sie ist schädlich für den globalen Weltzusammenhalt. Gott sei Dank sind die genannten Namen nicht repräsentativ für das, was die Meinung der Menschen im Westen ausmacht. Vielleicht ist es ein unglücklicher Zufall, dass George W. Bush gerade jetzt an die Macht gekommen ist. Aber auch zufällige Begebenheiten sind eine Realität und machen etwas. Auch sie produzieren Effekte. In diesem Fall belastet der zufällige Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen unsere ganze Weltlage. Und je länger diese Politik der Arroganz des Westens gegenüber der arabisch-islamischen Welt fortgesetzt wird, umso mehr Gründe wird die arabisch-islamische Welt finden, sich dauernd erniedrigt und angegriffen zu fühlen. Jeder Fehler, den ein westlicher Politiker macht, zerstört 10, 15 oder sogar 20 Jahre Arbeit, die unsere Generation geleistet hat, indem wir uns für Freiheit, Demokratie etc. in der arabischen Welt eingesetzt haben. Manche von uns haben diesen Kampf mit dem Tod, mit jahrelangen Gefängnisaufenthalten oder dem Verlust ihres Broterwerbs bezahlt. 15, 20 Jahre Kulturkampf im Bereich der Philosophie, der Kultur, der Kunst – und dann kommt ein Angriff auf Bagdad, in dem zum Beispiel das Museum von Bagdad zerstört wird, eine der größten Kulturstätten der Welt – und mit einem Schlag ist die Arbeit einer ganzen Generation, die die arabische Kultur in Richtung Freiheit weiterentwickeln wollte, ruiniert.

Die Gefahr reaktionärer Entwicklungen im arabischen Raum besteht also absolut. Aber ich glaube nicht, dass diese Gefahr von den Werken Nietzsches kommt. Wer fundamentalistisch denkt, der braucht Nietzsche nicht für die Begründung seiner Ideologien. Diese Menschen haben ganz andere Autoren, auf die sie sich berufen und die ihnen das richtige Futter für ihren Fanatismus liefern.

Susanne Granzer: Nietzsches Verhältnis zu Frauen, aber auch seine Äußerungen zu Genderfragen sind fragwürdig. Auch im arabischen Raum ist die Stellung der Frau ein prekäres Thema.

Ali Mosbah: Eine heikle, aber gute Frage. Natürlich gibt es in Nietzsches Texten viele, viele Ideen, unter anderem auch Stellungnahmen zum Thema „Frau“, oder zum Thema „Demokratie“, bei denen ich das Gefühl habe, „mein Gott, wie übersetze ich diese Zeilen nur? Das geht einfach zu weit!“

Was die Frauen betrifft, glaube ich inzwischen, dass ich seine Position gut durchschaue. Nietzsche ist eigentlich ein sanfter, sehr sanfter, ein durch und durch weicher Mann. Er hat die Frauen geliebt. Cosima Wagner hat er geliebt und verehrt. Sie war für ihn eine Mischung aus höchster Intelligenz und Brillanz. Auch Lou Salomé hat er geliebt und geschätzt. Er hat auch ihre Texte bearbeitet. Aber irgendwo gab es dann immer einen Knackpunkt in seiner Beziehung zu den Frauen. Irgendwann wurde er selbst vom Rachegefühl gegen sie überfallen. In einer Art Schutzmechanismus hat er sich dann rhetorisch gegen sie abzugrenzen begonnen und sich oft verächtlich gegen sie geäußert. Aber mehr aus Schwäche als aus wirklicher Überzeugung. In solchen Momenten hat er etwa Sätze gesagt wie „Wenn du zu den Frauen gehst, vergiss die Peitsche nicht.“ Aber man hört an anderer Stelle auch einen Satz wie den Folgenden: „Die Frauen kennen mich am besten.“ Vielleicht verbirgt sich in diesem Satz auch ein Wunsch von Nietzsche, von den Frauen besser verstanden zu werden.

Wie immer kann man sich in der arabischen Welt auch auf diese Textstellen von Nietzsche über die Frauen werfen und sie zu instrumentalisieren versuchen. So wie sich die Idee von Demokratie benutzen lässt, so auch das Thema „Frau.“ Gerade in dieser Hinsicht gibt es noch wichtige Arbeit zu tun. Nietzsches Auslegung des Geschlechterverhältnisses muss irgendwann einmal geschrieben werden. Dabei wird auch die menschlich, allzumenschliche Seite von Nietzsche selbst zur Sprache kommen müssen. Nietzsche war ein Mensch mit großen Schwächen. Er hatte verzweifelte Momente, in denen er allein in seinem Zimmer in der Kälte geschlafen und Herz zerreißend geweint hat. Vor allem vor Einsamkeit… Um am nächsten Tag dem Leben wieder die Stirn zu bieten. Das ist typisch für ihn.

So möchte ich also Ihre Frage beantworten. Vielleicht ist es keine Antwort, aber so sehe ich eben Nietzsches Verhältnis zu den Frauen.

Susanne Granzer: Wollen Sie noch etwas zur realen Stellung der Frau im arabischen Raum sagen?

Ali Mosbah: Ich kenne nicht alle arabischen Länder. Ich kann nur von den Ländern sprechen, die ich wirklich kenne: zum Beispiel Tunesien, Marokko, Libanon, weniger schon Syrien. Ich würde sagen, dass die Situation der Frau in unserer arabischen Welt ein Thema ist, mit dessen status quo man wirklich nicht zufrieden und auf den man schon gar nicht stolz sein kann und darf. Obwohl in den letzten 20, 30, 40 Jahren wirklich viele Fortschritte für die gesellschaftliche Besserstellung der Frauen in der arabischen Welt erreicht wurden. Es ist zum Beispiel bei weitem nicht mehr so, dass alle arabischen Frauen einfach zuhause sind, um die Familie zu versorgen. Und bei weitem tragen nicht mehr alle Frauen einen Schleier. Wer sich heute in den oben genannten Ländern verschleiert, der tut es wirklich aus ideologischen Gründen, etwa so, wie wir auch hier in Berlin, in Wien oder in Paris verschleierte Frauen sehen.

Dass in den arabischen Städten in den Cafés auch heute noch kaum Frauen zu finden sind, ist leider eine Realität, die es zu verändern gilt, Und die Polygamie ist, bzw. war wirklich eine schreckliche Form der Unterdrückung der Frauen. In Tunesien ist sie seit 1957 abgeschafft worden. Inzwischen auch in Marokko und im Libanon. Hier gibt es aber sicher noch viel zu kämpfen. Ein Kampf, der in der arabischen Welt heute vor allem von den Frauen selbst in unzähligen Vereinen ausgefochten wird.

Dieser Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen begann in Ägypten, Tunesien, Syrien und im Libanon schon in den 20-er Jahren und er geht heute weiter. Man hat für diesen Kampf in der arabischen Welt nicht auf Georges W. Bush gewartet. Gerade die Frauen sind heute im Irak die größten Verliererinnen. Wir müssen daher einsehen, dass der Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen seinen eigenen Rhythmus, seine eigenen internen Regeln hat und in der arabischen Welt seit über 80 Jahren seinen Gang geht. (Vielleicht sollte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass die Frauen in Frankreich im 20. Jahrhundert bis in die 20-er Jahre hinein um die Anerkennung ihres Wahlrechts gekämpft haben?) Ich bin überzeugt, dass der Prozess der Befreiung der Frauen im arabischen Raum nur von innen gefördert und betrieben werden kann; jede äußere Intervention wird diesen Prozess nur stören, verfälschen, umleiten und blockieren. Und das ist heute leider genau der Fall. Auch hier taucht wieder die metaphysische Vorstellung einer von Außen, von Oben diktierten Entwicklung auf. Eine durch und durch anti-nietzscheanische Konzeption von Macht, wie ich sagen würde.

Ich habe schon früher erwähnt, dass ich zu einer Lesung in Südmarokko, in der Stadt Tan-Tan, der ehemaligen Sahara, eingeladen worden bin, in der ich über meine Nietzsche-Übersetzung gesprochen habe. Sie wurde von einem Frauenverband organisiert. An der Bushaltestelle wurde ich gleich von vier Frauen mit einem Wüsten-Sari empfangen. Vier Prinzessinnen der Wüste, nicht zwei, wie in Nietzsches Texten! Die Aktivitäten der Frauen haben mich überrascht. Sie waren nicht nur im Frauenverband, sie waren auch noch in einer ganzen Reihe anderer Vereine tätig. Eine von ihnen war zum Beispiel in einem Umweltverein tätig. Sie hat Spenden, etwa aus Spanien, für alte Frauen gesammelt, um ihnen Ziegen zu kaufen, deren Milch sie verkaufen konnten, um sich zu erhalten. Eine andere hat sich für die Ausbildung von jungen Mädchen eingesetzt. Ich habe selbst die Ausbildungswerkstätte besucht. Und dann haben sie mich zum Schluss zu einem Vortrag eingeladen, der bei einem Arzt über das Thema „Aids & Geschlechtskrankheiten“ gehalten wurde. Außer mir und dem Arzt waren sonst nur Frauen da. Das selbstbewusste Auftreten der Frauen hat mich verblüfft. Sie haben völlig tabulos ihre Fragen gestellt, bis ins kleinste Detail. Da war ich selber überrascht, denn inzwischen trage auch ich in mir einen kleinen Europäer – ich lebe ja inzwischen seit 17 Jahren hier in Europa – der die Frauen im arabischen Raum nur noch als unterdrückte Wesen wahrnimmt.

Arno Böhler: Die Verlage in der arabischen Welt arbeiten großteils über den Libanon. Ist die derzeitige Krise im Libanon für die Realisation der Nietzsche Übersetzung ein Problem?

Ali Mosbah: Libanon ist der Phönix. Beirut ist der Phönix. Diese Stadt, dieses Land lässt sich nicht bändigen. Dort ist einfach alles möglich, alles machbar, was man will. Während des ersten Libanonkriegs 1982 wurde das Land bombardiert – und in den Kellern haben die Verlage ihre Bücher gedruckt und verlegt. Natürlich haben die Bombardements viel zerstört. Aber aus den Ruinen ist sofort wieder etwas aufgebaut worden. Und das wird auch nach diesem Krieg so sein. Der hat einiges zerstört, aber in Kürze wird alles aus der Asche wieder entstehen. Nein. Da wird es für die Verlage kein nachhaltiges Problem geben. Ich habe großes Vertrauen in diese Phönizier, in diese Kunst des Phönix, die sie beherrschen.



(1) Peter Sloterdijk, Über die Verbesserung der guten Nachricht. Nietzsches fünftes Evangelium, Suhrkamp Verlag 2000.

(2) Zur Pluralität der Künste siehe: Jean-Luc Nancy, singular plural sein, Diaphanes Verlag, Berlin: 2004. Sowie Jean-Luc Nancy, Die Musen, Verlag Jutta Legueil, Stuttgart: 1999.



Interview © Susanne Granzer/Arno Böhler-Nietzsche Circle, 2007.
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Susanne Granzer, Lehrstuhl für Rollengestaltung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Max Reinhardt Seminar). Als Schauspielerin 15 Jahre an Staatstheatern in Wien, Basel, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Berlin. Parallel Studium der Philosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt. 1995: Promotion an der Universität Wien. Theaterrecherchen in Indien (Kalakshetra) und Südkorea (Hankuk University). 1997 Forschungsaufenthalte: Juilliard School und Herbert Berghof Studio (bei Uta Hagen), New York. Publikationen (Auswahl): Absenz. Erfahrungen der Abwesenheit, Freiburg/München 2007 (im Druck), ABC.Zäsuren der Kindheit, Hildesheim/Zürich, 2005. Advisory Board: Nietzsche Circle New York sowie GlobArt, Connecting Worlds of Arts and Sciences. http://personal.mdw.ac.at/granzer

Arno Böhler: Philosoph und Filmemacher. Dozent am Institut für Philosophie der Universität Wien. Forschungsaufenhalte an der New York University und Princeton University. Leitung des FWF–Forschungsprojekts: “Materialität und Zeitlichkeit performativer Sprechakte. Philosophy On Stage”. Forschungsschwerpunkte: Continental Philosophy, Poststrukturalismus, Interkulturelle Philosophie. Buchpublikationen: Singularitäten, Vom zu-reichenden Grund der Zeit, Wien 2005; Unterwegs zu einer Sprache der Freundschaft, Wien 2000; Das Gedächtnis der Zukunft, Wien 1996. Advisory Board: Nietzsche Circle New York sowie GlobArt, Connecting Worlds of Arts and Sciences. http://homepage.univie.ac.at/arno.boehler

1997 haben Susanne Granzer & Arno Böhler gemeinsam die Wiener Kulturwerkstätte GRENZ-film gegründet. Realisation von Philosophie im Bild – 4 DVD-Bücher Passagen Verlag, Wien 2005 – sowie Philosophy On Stage (Lecture-Performances in Europa und den USA).



Der Nietzsche Circle möchte Arno Böhler und Susanne Granzer seinen Dank aussprechen für die grosszügige Gabe ihrer Zeit und das mit enormer geistiger Freimütigkeit geleitete Interview. Auch möchten wir Ali Mosbah danken, der sich mit beispiellloser Generosität Zeit für das Interview nahm mitten in seinem anspruchsvollen, herausfordernden Projekts, Nietzsche ins Arabische zu übersetzen. Die Zeit für dieses Werk ist gekommen; unser Zeitalter erfordert es. In diesen Tagen mörderischer Konflikte verweist Nietzsche auf den Anbruch eines neuen Tages, auf Brücken, die wir überqueren und so das Alte überwinden können, und auf das Zerbrechen von Gebots-und Wertetafeln, um neue Werte schaffen zu können, derer unsere Epoche bedarf.

Ohne Fulya Peker hätten wir nichts über Ali Mosbah und sein Projekt erfahren—wir danken ihr dafür, dass sie uns mit Ali und dem Kamel Verlag bekannt gemacht hat.

Zum Schluss möchten wir Katja Brunkhorst unseren Dank sagen. Erst kürzlich, doch schnell wurden wir zu Freunden über die Ferne hinweg—durch die Nähe des körperlosen weltweiten,von Nähe weit entfernten Netzes. Weil wir uns alle mit dem Werk Nietzsches beschäftigen, sind wir einander begegnet und in die Ferne gereist, in der Hoffnung, eine Gemeinschaft der Nähe zu schaffen. Trotz ihrer intensiven Arbeit an zahlreichen Projekten und mitten in einer Auswanderung willigte Katja ohne Zögern ein, das obige Interview vom Deutschen ins Englische zu übersetzten. Solch uneingeschränktes Geben ist im wahrsten Sinne des Wortes dionysisch.



To download the entire interview in German, Open PDF: | | Nietzsche in Arabic: An interview with translator Ali Mosbah



To read the interview translated into English, click here.



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