Cultures of the Muses
By Arno Böhler
Footnotes
(1) “In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Thiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmüthigste und verlogenste Minute der‚Weltgeschichte’: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Athemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Thiere mussten sterben. So könnte Jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt;” Friedrich Nietzsche, Ueber Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne, Collected Works, Kritische Studienausgabe Volume 1, Giorgio Colli and Mazzino Montinari (Eds.) (München/Berlin/New York, DTV de Gruyter: 1980): 875. Cited as KSA by volume, section and page number.
(2) “…als ob die Angeln der Welt sich in ihm [um ihn herum] drehten.” Einer Mücke gleich, die mit demselben Pathos” durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Centrum der Welt fühlt.” Friedrich Nietzsche, KSA Vol.1, §1, 875.
(3) “Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.” Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Stuttgart, Reclam Verlag: 1974): p. 9.
(4) “Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.” Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Stuttgart, Reclam Verlag: 1974), p. 9.
(5) Jean-Luc Nancy, Être singulier pluriel (Paris, Éditions Galilée: 1996). English Edition: Being Singular Plural, tr. Robert D. Richardson and Anne E. O’Byrne (Stanford California, Stanford University Press: 2000).
(6) “Die Moderne Unruhe—Nach dem Westen zu wird die moderne Bewegtheit immer größer, so daß den Amerikanern die Bewohner Europas insgesamt sich als ruheliebende und genießende Wesen darstellen, während diese doch selbst wie Bienen und Wespen durcheinander fliegen. Diese Bewegtheit wird so groß, daß die höhere Kultur ihre Früchte nicht mehr zeitigen kann; es ist, als ob die Jahreszeiten zu rasch aufeinander folgten. Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in großem Maße zu verstärken.” Friedrich Nietzsche, KSA Vol.2, §285, 232.
(7) Concerning the question of “re-signation” as the highest expression of human lives far from any fatalism see: Theodor W. Adorno, Kulturkritik und Gesellschaft II “Resignation” (Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag: 2003): pp. 794-803 and Arno Böhler, Politiken der Re-Signation: Derrida—Adorno, in: Eva Laquieze-Waniek/Erik Vogt (Eds.), Derrida und Adorno—Zur Aktualität von Dekonstruktion und Frankfurter Schule (Wien, Turia & Kant: 2008): pp. 167-188.
(8) On the notion of sur-viving see: Jacques Derrida, Leben ist Überleben (Vienna, Passagen Press: 2005).
(9) On the connection of “virtus” and “virtuality” in Nietzsche see: Arno Böhler, Nietzsches virtuelleWanderung im Sprachzeitraum des ‘Gefährlichen Vielleicht’, in: Nietzscheforschung, Jahrbuch derNietzsche-Gesellschaft, Volume 11 (München, Akademie Press: 2004): pp. 251-264.
(10) “Muße und Müßiggang.—Es ist eine indianerhafte, dem Indianer-Blute eigentümliche Wildheit in der Art, wie die Amerikaner nach Gold trachten: und ihre atemlose Hast der Arbeit—das eigentliche Laster der neuen Welt - beginnt bereits durch Ansteckung das alte Europa wild zu machen und eine ganz wunderliche Geistlosigkeit darüber zu breiten. Man schämt sich jetzt schon der Ruhe; das lange Nachsinnen macht beinahe Gewissensbisse. Man denkt mit der Uhr in der Hand, wie man zu Mittag isst, das Auge auf das Börsenblatt gerichtet, —man lebt wie einer, der fortwährend etwas ‘versäumen könnte’. Lieber irgend etwas tun als nichts’—auch dieser Grundsatz ist eine Schnur, um aller Bildung und allem höheren Geschmack den Garaus zu machen. Und so wie sichtlich alle Formen an dieser Hast der Arbeitenden zugrundegehn: so geht auch das Gefühl für die Form selber, das Ohr und Auge für die Melodie der Bewegungen zugrunde. ” Friedrich Nietzsche, KSA Vol.3, §329, 556.
(11) “A specter is haunting Europe—the specter of Communism. All the Powers of old Europe have enteredinto a holy alliance to exorcise this specter: Pope and Czar, Metternich and Guizot, French Radicals andGerman police-spies. Where is the party in opposition that has not been decried as Communistic by itsopponents in power? Where is the Opposition that has not hurled back the branding reproach ofCommunism, against the more advanced opposition parties, as well as against its reactionary adversaries?”Karl Marx/Friedrich Engels, The Communist Manifesto, (London, Bildungsgesellschaft für Arbeiter:1848).
German version: “Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und der Zar, Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten. Wo ist die Oppositionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, die der fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Kommunismus nicht zurückgeschleudert hätte? Karl Marx/Friedrich Engels, Das Manifest der kommunistischen Partei (London, Bildungsgesellschaft für Arbeiter: 1848).
(12) On the notion of touching see: Jacques Derrida, On Touching—Jean-Luc Nancy, Werner Hamacher(Ed.), tr. by Christine Irizarry (Stanford California, Stanford University Press: 2005).
(13) On the gesture of “quoting history” see: Judith Butler, Excitable Speech A Politics of the Performative (New York, Routledge: 1997) and Jacques Derrida, LIMITED INC (Illinois, Northwestern University Press: 1st edition 1988).
(14) Concerning the function of the muses in ancient Greek culture see Walter F. Otto, Die Musen und der göttliche Ursprung des Singens und Sagens (Düsseldorf-Köln, Wissenschaftliche Buchgesellschaft: 1955): p. 68.
(15) “Wie aber, wenn er nun gar nichts anderes tut noch mit irgendeiner anderen Muse irgend Gemeinschaft hat? Muß nicht, wenn auch etwas Lernbegieriges in seiner Seele war, dieses, da es keine Kenntnis noch Untersuchung zu kosten bekommt, an keiner Red noch anderer Musik teilhat, notwendig schwach, und taub und blind werden, da es weder aufgeregt noch genährt wird, noch seine Wahrnehmungen gereinigt?—So verhält es sich.” Platon, Politeia, in Collected Works, tr. by F. Schleiermacher, Vol.2, 3rd Book 411d-e (Hamburg, Rowohlts Enzyklopädie: 1994): p. 309.
(16) “Ein Redefeind, meine ich, wird also ein solcher, und ein ganz Musenloser; und mit Überredung durch Worte weiß er nichts mehr anzugreifen, sondern nur mit Gewalt und Wildheit wie ein Tier will er alles ausrichten, und in Unverstand und linkischem Wesen, taktlos und ohne Anmut lebt er.” Platon, Politeia, in Collected Works, tr. by F. Schleiermacher, Vol.2, 3rd Book 411d-e (Hamburg, Rowohlts Enzyklopädie: 1994): p. 309.
A recently published philosophical approach on the fundamental function of leisure and idleness for our lives one can find in Hans-Dieter Bahr, Der Babylonische Logos (Vienna, Passagen Press: 2004) and Christoph Wulf/Jörg Zirfas (Eds.), Muße, in: Paragrana, Internationale Zeitschrift für Historische Anthropologie, Vol.16, Book 1, (Berlin, Akademie Press: 2007).
(17) „Denn da wir nun einmal die Resultate früherer Geschlechter sind, sind wir auch die Resultate ihrerVerirrungen, Leidenschaften und Irrthümer, ja Verbrechen; es ist nicht möglich, sich ganz von dieser Kettezu lösen. Wenn wir jene Verirrungen verurtheilen und uns ihrer für enthoben erachten, so ist die Thatsachenicht beseitigt, dass wir aus ihnen herstammen. Wir bringen es im besten Falle zu einem Widerstreit derererbten, angestammten Natur und unserer Erkenntnisse, auch wohl zu einem Kampfe einer neuen strengenZucht gegen das von Alters her Angezogene und Angeborne, wir pflanzen eine neue Gewöhnung, einenneuen Instinkt, eine zweite Natur an, so dass die erste Natur abdorrt. Es ist ein Versuch, sich gleichsam aposteriori eine Vergangenheit zu geben, aus der man stammen möchte, im Gegensatz zu der, aus der manstammt —” Friedrich Nietzsche, KSA Vol.1, Unzeitgemäße Betrachtung II §3, 270.
(18) A body, as a will to power, and not merely a will to survive in a certain status quo (conatus), follows itsvery own nature as long as it moves beyond itself, stretching and extending the borders of its very ownbeing-in-the-world. It is this act of re-signing ones very own corporal existence as a singular mode in whicha will to power survives, and not only the human race or the common place of a rational being, thatNietzsche embraces when every he asks us to affirm a life in an all embracing act of a great affimration:amor fati.
(19) Kimerer L. LaMothe, Nietzsche’s Dancers (New York, Palgrave Macmillan: 2006): p. 103. Reviewed byArno Böhler, Nietzsche Circle Reviews http://www.nietzschecircle.com/review14.html.
(20) “My formula for greatness in a human being is amor fati: that one wants nothing to be different, notforward, not backward, not in all eternity.” German original: “Meine Formel für die Grösse am Menschenist amor fati: dass man Nichts anders haben will, vorwärts nicht, rückwärts nicht, in alle Ewigkeit nicht.”Friedrich Nietzsche, KSA Vol.6, Warum ich so klug bin §10, 297.
(21) On the auto-bio-graphical aspect of Nietzsche’s corpus see: Arno Böhler, Der auto-bio-graphischeKörper, in: GRENZ-film (Ed.), Philosophy On Stage, Double DVD (Vienna, Passagen Press: 2007).
(22) On the difficulties that occur in applying a general formula on a proper name see: Jacques Derrida, As if Iwere Dead (Vienna, Turia + Kant: 2000).
(23) Katja Brunkhorst, ‘Verwandt-Verwandelt’ Nietzsche’s Presence in Rilke (München, IUDICIUM: 2006): p. 147.
(24) “Man könnte selbst sagen, […] dass es heute vielleicht kein entscheidenderes Abzeichen der ‘höheren Natur,’ der geistigeren Natur giebt, als zweispaltig in jenem Sinne und wirklich noch ein Kampfplatz fürjene Gegensätze zu sein.” Friedrich Nietzsche, KSA Vol.5, Erste Abhandlung §16, 285-286. See too:Kimerer L. LaMothe, Nietzsche’s Dancers (New York, Palgrave Macmillan: 2006): p. 82.
(25) Concerning the concept of ex-scribing a body see: Jean-Luc Nancy, Corpus (Paris, Éditions Métailiè:2000).
(26) It is Michel Foucault, of course, who did analyze the governmentality of biopolitics in contemporarypolitics. Michel Foucault, Naissance de la biopolitique: cours au Collège de France 1978-1979 (Paris,Gallimard & Seuil: 2004).
(27) Kimerer L. LaMothe, Nietzsche’s Dancers (New York, Palgrave Macmillan: 2006): p. 56.
(28) Kimerer L. LaMothe, Nietzsche’s Dancers (New York, Palgrave Macmillan: 2006): p. 98.
(29) “Ein Körper ist folglich eine Spannung [tension]. Und die griechische Wurzel des Wortes ist ‘tonos’, derTon. Ein Körper ist ein Ton. […] Ein Körper ist ein Tonus.” Jean-Luc Nancy, Corpus (Berlin, Diaphanes:2003): p. 124.
(30) Calling himself a dynamite, a kind of earthquake, Nietzsche’s corpus can largely be read as a testimony of his seismographic body by virtue of which he was able to sense, check, and evaluate the corporal sound of things with the well tuned “hammer” of his senses, especially of his ear that was capable to reveal the unheard, forbidden truth of things while testing the sound of their corporal tonos.
(31) “Man kann nämlich das Tanzen in jeder Form nicht von der vornehmen Erziehung abrechnen, Tanzenkönnen mit den Füssen, mit den Begriffen, mit den Worten; habe ich noch zu sagen, dass man es auch mitder Feder können muss, — dass man schreiben lernen muss?” Friedrich Nietzsche, KSA Vol.6, Was denDeutschen abgeht §7, 110. See too: Kimerer L. LaMothe, Nietzsche’s Dancers (New York, PalgraveMacmillan: 2006): p. 93.
(32) „Man hat sehen zu lernen, man hat denken zu lernen, man hat sprechen zu lernen: das Ziel in allen Dreienist eine vornehme Cultur. — Sehen lernen — dem Auge die Ruhe, die Geduld, das An-sich-herankommenlassen angewöhnen; das Urtheil hinausschieben, den Einzelfall von allen Seiten umgehn und umfassenlernen. Das ist die erste Vorschulung zur Geistigkeit: auf einen Reiz nicht sofort reagieren, sondern diehemmenden, die abschliessenden Instinkte in die Hand bekommen. Sehen lernen, so wie ich es verstehe, ist beinahe Das, was die unphilosophische Sprechweise den starken Willen nennt: das Wesentliche daran ist gerade, nicht ‚wollen’, die Entscheidung aussetzen können. Alle Ungeistigkeit, alle Gemeinheit beruht auf dem Unvermögen, einem Reize Widerstand zu leisten — man muss reagieren, man folgt einem Impuls.“ Friedrich Nietzsche, KSA Vol. 6, 108-109.
(33) “Es ist mehr Vernunft in deinem Leibe, als in deiner besten Weisheit. Und wer weiss denn, wozu deinLeib gerade deine beste Weisheit nöthig hat?” Friedrich Nietzsche, KSA Vol.4, Also sprach Zarathustra I,Von den Verächtern des Leibes, 40.
(34) Since these times, in which the restless people are most prized in our societies, in fact we all became“independent” in a certain sense. Now we are all “free” and “self responsible persons”; free to install thesoftware of our computer alone, to manage our bank accounts ourselves via internet banking, to earn themoney oneself needed to make our own living, to educate our children, to provide our family with healthinsurance etc., etc., etc. In fact—actually we all have become “mature, self responsible persons in a freeand open society.” Free in the sense that we are compelled and enslaved to be productive all the time.
(35) “Ihr meint doch nicht, daß ich mit Muße und Müßigkeit auf euch ziele, ihr Faultiere?—” Friedrich Nietzsche, KSA Vol.2, §284, 232.